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Sylvia Sasse: Den Staat an seine Gesetze erinnern
Den Staat an seine Gesetze erinnern
(S. 107 – 132)

Dissidenz als Wissen vom Recht

Sylvia Sasse

Den Staat an seine Gesetze erinnern
Dissidenz als Wissen vom Recht

PDF, 26 Seiten

In den Parteidiktaturen Osteuropas hatten wir es mit einem eher saloppen Verhältnis der politischen Macht zu Verfassung und Gesetz zu tun: Die Verfassung wurde teilweise ignoriert, gegen die eigenen Gesetze wurde, wenn es nötig war, verstoßen. Demgegenüber stehen die Aktionen der dissidentischen Bewegungen bzw. der Protestbewegungen, die den Staat nicht nur an seine Gesetze erinnern wollten, sondern versuchten, Rechtsmittel gegen den Gesetzgeber zu nutzen. Man könnte zuspitzen und sagen, Dissidenz zeichne sich geradezu durch ein ›Wissen vom Recht‹ aus. Der Beitrag untersucht die Auseinandersetzungen zwischen den dissidentischen Bewegungen in der Sowjetunion und in der ČSSR und der jeweiligen staatlichen Macht als eine Auseinandersetzung zwischen zwei Wissensordnungen: einer performativen und  einer hermeneutischen Wissensordnung.

  • Menschenrechte
  • Gerichtsprozess
  • Protestbewegungen
  • Diktatur
  • Bürgerrechte
  • Performativität
  • Osteuropa

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Deutsch

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Sylvia Sasse

studierte Slawistik und Germanistik in Konstanz und St. Petersburg (1990–1996). 1999 wurde sie an der Universität Konstanz promoviert. Im Anschluss an ihre Lehr- und Forschungstätigkeit an der Freien Universität Berlin (1999–2001), dem Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (Berlin) und der UC Berkeley, habilitierte sie am Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der FU Berlin. Darauf folgte eine Gastprofessur am Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2009 ist sie Professorin für Slawistische Literaturwissenschaft an der Universität Zürich. Zudem ist sie Mitbegründerin des ZKK (Zentrum für Künste und Kulturtheorie), Mitglied des ZGW (Zentrum Geschichte des Wissens) und Mitherausgeberin von »Geschichte der Gegenwart« (www.geschichtedergegenwart.ch).

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Obwohl Recht auf Wissen zurückgreift und neues Wissen produziert, ist der epistemische Status von Gesetzen, Gerichtsentscheidungen, Rechtsansprüchen und Gerechtigkeitsvorstellungen in der wissensgeschichtlichen Forschung bislang wenig beleuchtet worden. Diese Ausgabe untersucht den breiten Fundus von Wissen, der bei der Formulierung von Rechts- und Gerechtigkeitsansprüchen ebenso ins Spiel kommt wie bei Praxen des Anklagens, Ermittelns oder Urteilens. Auf welche Weise und in welcher Form finden dabei Wissensbestände aus anderen Disziplinen, Gesellschaftssphären und kulturellen Bereichen Eingang in die Rechtspraxis? Wie wirkt das Recht auf die Fabrikation von Wissen ein? Und welche Rolle spielen Kriterien und Praktiken der Rechtfertigung, der Zeugenschaft und der Macht?

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