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Helmut Draxler: Anteil am Anderen
Anteil am Anderen
(S. 15 – 27)

Politik und strukturelle Ambivalenz

Helmut Draxler

Anteil am Anderen
Politik und strukturelle Ambivalenz

PDF, 13 Seiten

Helmut Draxler unternimmt eine grundlegende Befragung der Art und Weise, wie über Ambivalenz gesprochen werden kann, ohne dass dabei die ihr grundsätzlich anhaftende Eigenschaft, diejenige der eigenen Ambivalenz, verloren geht. Draxler nähert sich dieser Frage durch ihre Zerlegung in ein logisches, ein historisches und ein politisches Problem; erst das Zusammendenken der jeweils durch diese drei Teilaspekte bestimmten spezifischen Konstellation kann eine Entscheidung darüber ermöglichen, ob es sich um eine »gute« oder »schlechte« Ambivalenz (Merleau-Ponty) handelt. Führt die Annäherung über den Zugang des Logischen zur These, dass sich Ambivalenz als dialektisches Verhältnis zur Eindeutigkeit am »Abgrund des Sinns« zu konzeptualisieren habe, so bezeugt die historische Perspektive, dass das Verhältnis zwischen Ambivalenz und ihrem Gegenüber stets Ergebnis eines Aushandlungs- und Positionierungsverhältnisses war. Das politische Problem schliesslich stellt sich dort, wo eindeutiges Positionieren angesichts unzähliger bestehender Verstrickungen kaum möglich scheint. Aus dieser Anlage heraus plädiert Draxler für ein Verständnis von Ambivalenz, das sich nur strikt relational denken lässt, als »strukturelle Ambivalenz« eben.

  • Kunstkritik
  • Politik
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  • Gegenwartskunst

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Helmut Draxler

ist Kunsthistoriker und Kulturtheoretiker. Von 1992 bis 1995 war er Direktor des Kunstvereins in München, von 1999 bis 2012 Professor für Ästhetische Theorie an der Merz Akademie, Hochschule für Gestaltung in Stuttgart. Seit Januar 2013 ist er Professor für Kunsttheorie und Kunstvermittlung an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Derzeitige Forschungsschwerpunkte sind eine Theorie der Vermittlung sowie das Denken von Geschichte in den Historiographien moderner und zeitgenössischer Kunst.

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Rachel Mader (Hg.): Radikal ambivalent

Wie ist das Verhältnis zwischen Kunst und Politik heute? Erzielt engagierte Kunstproduktion Wirkungen im öffentlichen, politischen Raum? Wie ist es um die Lesbarkeit von visuellen Botschaften in Kunst und Kultur bestellt? In jüngster Zeit treten zunehmend mehrdeutige und unentschiedene Codes und Zeichen an die Stelle einer klaren und deutlichen Bildsprache. Während die einen dafür die Komplexität der Inhalte und Vielfalt der Formen verantwortlich machen, interpretieren andere dies als politische Strategie der Verweigerung gegenüber einer Instrumentalisierung. Der Tenor der Kunstkritik ging in den letzten Jahren sogar so weit, die Uneindeutigkeit zum Qualitätsmerkmal gehaltvoller Kunst schlechthin zu erheben. Die in dieser Publikation versammelten Aufsätze hinterfragen das Phänomen »Ambivalenz« aus kritischer Perspektive und untersuchen seine Mechanismen und gesellschaftlichen Funktionen.