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Georg Witte: Anmeldung für die Gioconda
Anmeldung für die Gioconda
(S. 183 – 202)

»Anmeldung für die Gioconda«. Über sichtbar unsichtbare Zeichnungen

Georg Witte

Anmeldung für die Gioconda
Über sichtbar unsichtbare Zeichnungen

PDF, 20 Seiten

Ausgehend von Ilja Kabakows Anmeldung für die Gioconda fragt dieser Aufsatz nach der Fähigkeit der Zeichnung, von sich weg zu zeigen, d.h. weniger Spur von etwas, als Meldung für etwas zu sein. Was geschieht, wenn Zeichnungen vollständig darin aufgehen Anmeldungen von Sichtbarkeiten zu sein, wenn sie die eigene Sichtbarkeit derart delegieren, dass sie sie woanders, nur nicht bei sich selbst ankündigen? Man findet dies im Reich von Eintragungen, Vermerken, Meldungen, Unterzeichnungsakten, die neben und vor dem ästhetischen Ereignis liegen. Diese ›sichtbar unsichtbaren Zeichnungen‹ sind mediale Blindpassagiere: gemalte Schriften oder Anstreichungen in Büchern, in der die Seite von der nichtgraphematischen Graphie usurpiert wird.

  • Zeichnung
  • Ästhetik
  • Kritzeln
  • Praktiken der Zeichnung
  • Materialität

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Deutsch

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Georg Witte

habilitierte über russische Autobiographien im 18. Jahrhundert. 1994 wurde er Professor für Slawistische Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2004 ist er Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft am Peter Szondi-Institut und an der Abteilung Kultur am Osteuropainstitut an der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. sowjetische und postsowjetische Kultur-, Literatur- und Mediengeschichte, Ästhetik und epistemische Kontexte der russischen Avantgarde (SFB ›Ästhetische Erfahrung‹ und Forschungscluster ›Languages of Emotion‹), Schrifttheorie/Schriftmaterie (Graduiertenkolleg ›Schriftbildlichkeit‹). Er leitete Editions- und Übersetzungsprojekte zur literarischen und künstlerischen Gegenkultur in der Sowjetunion.

Mira Fliescher (Hg.), Lina Maria Stahl (Hg.), ...: Sichtbarkeiten 3: Umreißen

Der Band fragt, ausgehend von konkreten Praktiken, nach den Eigenwegen der Zeichnung, die sich zwischen etablierten epistemischen und ästhetischen Praktiken und Randphänomenen der Zeichnung bahnen können. Umreißen spielt dabei zwar auf die Tradition des disegno an, es meint jedoch als Oszillation zwischen Negation und Nicht-Negation dieser Tradition des Umrisses. Ihre Graphematik wird zwar stets durch einen Strich, d.h. durch eine Singularität und Materialität, gestört; dies jedoch ohne sie vollkommen ausstreichen zu können. Diese Oszillation entfaltet ein Paradox oder eine dialektische Figur, deren Spannung in den Praktiken des Zeichnens stets eine neue singuläre Konstellation generiert. In den einzelnen Beiträgen soll dem seine eigene theoretische Geltung zugestanden werden.

Mit Beiträgen von: Amrei Buchholz, Christian Driesen, Sergej Eisenstein, James Elkins, Erna Fiorentini, Georges Didi-Huberman, Georg Witte.