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Sylvia Sasse: 1915
1915
(S. 357 – 367)

Sylvia Sasse

1915
Nikolaj Evreinovs Theatertherapie. Heilung durch Improvisation

PDF, 11 Seiten

Um 1915 beginnt der russische Theaterregisseur und -theoretiker Nikolaj Evreinov den Begriff des Theaters radikal umzudefinieren. Er versteht unter Theater unser tägliches und präästhetisches ‚Als ob‘, das Verwandlungsbegehren jedes einzelnen Menschen. In diesem Theater ist Improvisationsvermögen das grundlegende Prinzip. Der Beitrag analysiert Evreinovs auf Improvisation beruhendes Konzept der Theatralität und zeigt, wie Evreinov daraus die Idee einer Theatertherapie, einer acting cure, entwickelt, die nicht wie Freuds talking cure auf dem Prinzip der Wiederholung basiert, sondern auf dem der Möglichkeit und Substitution.

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Sylvia Sasse

studierte Slavistik und Germanistik in Konstanz und St. Petersburg (1990–1996). Sie wurde 1999 in Konstanz promoviert und 2005 an der Freien Universität Berlin habilitiert. Nach Forschungs- und Lehrtätigkeiten an der Freien Universität Berlin (1999–2001), am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZFL) Berlin (2001–2005) sowie der UC Berkeley (2002–2003) wurde sie 2005 als Professorin für Ostslavische Literaturen an die Humboldt-Universität zu Berlin berufen, seit 2009 ist sie Ordentliche Professorin für slavistische Literaturwissenschaft an der Universität Zürich. Aktuell forscht sie zur Interferenz von Literatur und Recht, Konzepten des Auswegs und Performance Art in Osteuropa.

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Sandro Zanetti (Hg.): Improvisation und Invention

Wenn eine Kultur etwas als Erfindung akzeptiert, dann hat dieses Etwas bereits den Status einer Tatsache erhalten, die vorhanden ist und auf ihren Nutzen oder auf ihre Funktion hin befragt werden kann. Was aber geschieht davor? Wie gewinnt das Erfundene Wirklichkeit? Wie in der Kunst, wie im Theater, wie in der Literatur und Musik, wie in der Wissenschaft? Und mit welchen Folgen? Die Beiträge in diesem Band beschäftigen sich alle mit einem Moment oder einem bestimmten Modell der Invention. Ausgehend von den jeweils involvierten Medien wird der Versuch unternommen, diese Momente und Modelle zu rekonstruieren. Um etwas über die entsprechenden Inventionen in Erfahrung bringen zu können, werden diese als Ergebnisse oder Effekte von Improvisationsprozessen begriffen: Improvisationen in dem Sinne, dass von einem grundsätzlich offenen Zukunftsspielraum ausgegangen wird, gleichzeitig aber auch davon, dass es ein Umgebungs- und Verfahrenswissen gibt, das im Einzelfall beschrieben werden kann.

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