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Stephan Kammer: Skené. Topoi der Kulturbegründung im 18. Jahrhundert
Skené. Topoi der Kulturbegründung im 18. Jahrhundert
(S. 363 – 384)

Stephan Kammer

Skené. Topoi der Kulturbegründung im 18. Jahrhundert

PDF, 22 Seiten

tephan Kammer erinnert daran, dass sich skené in der Bedeutung von ›Bühnenaufbau‹ im antiken gebauten Theater weniger auf den Schauplatz der Bühne als vielmehr auf deren Rahmung (von hier aus treten die Spieler auf die Bühne) und damit auf einen ›ob-szenischen Ort‹ bezieht. Dieses theatergeschichtliche Dispositiv überträgt der Autor als Modell auf die Hütte und versteht sie im Zusammenhang mit diegetischen Welten als eine ›Funktionskulisse‹, d.h. als Wahl eines kontingenten, aber nicht beliebigen Schauplatzes, der einen Überschuss in Form einer Begründung produziert. An Beispielen der deutschen Literaturgeschichte lässt sich diese Funktionskulisse weiter erläutern: Der kulturbegründende Effekt des Hüttenszenarios reicht von der ›Affektbemeisterung‹ in Christian Fürchtegott Gellerts Schäferspiel Das Band (1744) und seiner Versfabel Inkle und Yariko über die behauptete Literaturerneuerung und Begründung der Philologie (und damit auch der späteren Germanistik) in Johann Jakob Bodmers Edward Grandisons Geschichte in Görlitz (1755) bis zu Johann Wolfgang von Goethes ›Architekturen der Selbstermächtigung‹ in den Prometheus-Texten.

 

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Stephan Kammer

Stephan Kammer

ist Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die deutschsprachigen Literaturen des 17. bis 21. Jahrhunderts im medialen Kontext, die Literatur- und Wissensgeschichte der Schrift, des Schreibens und der Philologie sowie Theorie und Geschichte der Künstlichkeit. Derzeit arbeitet er an einer Monographie zur narrativen und kulturellen Logik von Gottfried Kellers Festdarstellungen und -reflexion.

Weitere Texte von Stephan Kammer bei DIAPHANES
Karin Krauthausen (Hg.), Rebekka Ladewig (Hg.): Modell Hütte

Die Hütte wird gemeinhin als spontanes und vorläufiges Gebilde verstanden, als eine Improvisation im Außenraum, aus arbiträrem Material gefügt und mit einem klaren Ziel: schnell und mit vorhandenen Mitteln einen abgetrennten Bereich zu konstituieren. So verstanden faltet die Praxis der Hütte den Raum, sie erstellt gewissermaßen eine Tasche oder eine Abteilung in ihm und ermöglicht auf diesem Weg ein relatives Innen in Differenz zu einem Außen. Eine solche temporäre Faltung des Raums kann vielfältige Funktionen haben und etwa als Unterstand, Obdach, Versteck, Lager oder Zuflucht dienen. In jedem Fall wird der Bau nur selten planvoll konstruiert. Die Hütte gründet auf einer kreativen Praxis, die nicht als solche wahrgenommen wird. In der Konsequenz bildet die Hütte keine eigene Kategorie und ist gerade darin beispielhaft: Sie liefert das Modell für die spontane Emergenz von Strukturen, die in der Folge entweder vergehen und damit ephemer bleiben oder aber eine eigene Geschichte in Natur und Kultur begründen. Dieses weit über die Architektur hinausreichende ›Modell Hütte‹ erschließen die geistes- und naturwissenschaftlichen sowie gestalterischen Beiträge des Bandes über eine Vielfalt von Diskursen, u.a. zu Wohnen in the making, Prekäre Räume, Technik des Ephemeren, Kulturelle Urszene, Erweiterte Physiologie sowie Haut und Sein.

 

Mit Beiträgen von Michel Agier, Emily Brownell, Michael Cuntz, Heike Delitz, Elmgreen & Dragset, Michael Friedman, Finn Geipel & Sabine Hansmann, Ulrike Haß, Inge Hinterwaldner, Tim Ingold, Susanne Jany & Khashayar Razghandi, Stephan Kammer, Joachim Krausse, Karin Krauthausen, Rebekka Ladewig, Stephan Pinkau, Luca Rendina, Kathrin Röggla, Anna Roethe, Samo Tomšič, Felicity Scott, J. Scott Turner.

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