Kunstwerke sind Waren der besonderen Art, weil sie nicht nur einen Warenwert haben, sondern darüber hinaus auch nach Pierre Bourdieu zwischen ihrem Markt- und Symbolwert aufgespannt sind. Graw zufolge verfügen sie zudem über das spezifische Vermögen, die Gegenwart ihrer Urheber:innen zu suggerieren, sie wecken dadurch zugleich ein kollektives Begehren.
Graws Werttheorie argumentiert mit Bezug auf künstlerische Praktiken und entlang konkreter Marktentwicklungen. Ihre Aufmerksamkeit gilt dabei vor allem den von ihr so genannten »wertreflexiven« Arbeiten, aber auch den Abwertungen und Wertdiskriminierungen, der Krisenanfälligkeit eines Systems vor dem Hintergrund sich radikal verändernder sozialer und ökonomischer Bedingungen.
Zudem ist es unübersehbar, dass sich zwischen der Sphäre des Kunstmarktes und jener der Kunstkritik ein immer größerer Graben auftut. Der fortschreitende Strukturwandel – ähnlich jenem im späten 19. Jahrhundert, als das dealer-critic system das Salonsystem ablöste – weist der Kunstkritik jedenfalls eine bedeutende Rolle zu, die als Chance begriffen und ergriffen werden kann.
Warum erzielen bestimmte Kunstwerke auf Auktionen extrem hohe Marktwerte? Wie bildet sich der Preis im Kunstmarkt, welche Akteure nehmen wie Einfluss und was sind die Faktoren, die die Aufwertung der immer selben Werke vorantreiben – während sie andere links liegen lassen?