Nutzerkonto

Sounds of Resistance: Straub/Huillet/Schönberg

07.10.2017 - 14.10.2017
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin

Zu dem Oeuvre des Duos Straub/Huillet gehören auch drei dem österreichischen Komponisten Arnold Schönberg gewidmete Filme. In Schönbergs Werk fanden Danièle Huillet und Jean-Marie Straub den für sie notwendigen Widerstand bei der Arbeit an einem Film. In der Auseinandersetzung mit der Kompositionsweise des 1933 exilierten Juden und auch mit der Konsequenz, die den politisch konservativen Schönberg zum radikalen Neuerer der Musik machte, formulierten sie zentrale Aspekte ihrer eigenen Arbeit.

 

Die Medientheoretikerin  Ute Holl geht in ihrem Buch »Der Moses-Komplex« (2014) der gründlichen Durchdringung von musikalischer Komposition, filmischer Konstruktion und politischem Möglichkeitsraum nach, die sie in Straub/Huillets zweitem Schönberg-Film Moses und Aron (1974) findet. Die Filmvorführung von »Moses und Aron« am 7.10. wird gerahmt von einem zweitägigen Workshop mit Ute Holl.

 

Ab 9. Oktober richtet sich das Kammerensemble Neue Musik Berlin im Konzertsaal der Akademie der Künste ein, um eine Neubearbeitung von Arnold Schönbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielszene einzustudieren, die der Komponist Ming Tsao unter dem Titel „Refuse Collection“ eigens für dieses Projekt komponierte.

 

Im Rahmen des Projektes »Sagen Sie's den Steinen. Zur Gegenwart des Werks von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub«

 

http://huilletstraub-berlin.net

http://www.adk.de

Ute Holl

Ute Holl

ist Professorin für Medienwissenschaft an der Universität Basel. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Medienästhetik und Wahrnehmungstheorien, mediale Anthropologie und experimentelles Kino, sowie Kinosound und Elektroakustik. Sie ist Autorin mehrerer Bücher.

Ute Holl: Der Moses-Komplex

Neues Gesetz und neue Medien tauchen, seit Moses die Tafeln vom Sinai brachte, immer zugleich auf. Verbunden damit ist die Mission, ein Volk zu befreien: Exodus, Exil, Migration, Lager. Virulent daran ist die Frage nach dem Umgang mit Fremden und nach der Gewalt, die in Kulturtechniken konserviert bleiben soll, in Krisen jedoch stets wieder aufbricht.
1974 verfilmen Jean-Marie Straub und Danièle Huillet die Oper »Moses und Aron«, an der Arnold Schoenberg auf dem Weg ins Exil seit den späten zwanziger Jahren gearbeitet hat. Film und Oper entwerfen ungerichtete Räume und fordern damit ein Sehen und Hören »vor dem Gesetz« heraus. Damit haben sie politischen Widerstand ins Musik- und ins Filmdenken des 20. Jahrhunderts gesetzt. Zugleich entwerfen sie so ein Modell für Kommunikationen kommender Gesellschaften.
Der Moses-Komplex ist eine Mediengeschichte des Fremden in der Wahrnehmung. Gegen Monotheismus und Bilderverbot setzen Schoenberg und Straub/Huillet das Projekt einer Moderne, das sich aus der Vervielfachung von Differenzen konstituiert. Sie fordern dazu auf, widerständige Formen von Räumen und Zeiten aus unvorgänglichen Unterscheidungen zu generieren, so wie aus dem Geräusch des Dornbusches eine Stimme erst gehört werden muss.