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Sabeth Buchmann: Die Farbe des Geldes und andere Dilemmata der (Institutions-)kritik
Die Farbe des Geldes und andere Dilemmata der (Institutions-)kritik
(S. 25 – 34)

Sabeth Buchmann

Die Farbe des Geldes und andere Dilemmata der (Institutions-)kritik

Der allseits konstatierte »neue Geist des Kapitalismus« wie er sich durch unverblümtere und zugleich abstraktere Formen der Vermarktung und Transfers im Kunstgeschehen bemerkbar macht, hat jenen künstlerischen Praktiken, die einst unter Institutionskritik firmierten, eine stärker ökonomiekritische Ausrichtung gegeben: (Post-)marxistische Waren-und Marktkritik, (post-)situationistische Spektakel- und Medientheorien und (post-)operaistische Arbeitsdiskurse mischen und unterscheiden sich hinsichtlich der Frage, ob und wo sich im Kunstfeld Verfahren ausmachen lassen, die das Präsentieren und Repräsentieren von ›Werken‹ und ihnen assoziierter Darstellungsformen als kritisch oder gar widerständig wirksam werden lassen. Im Vergleich mit klassischen, ortsspezifischen Versionen der Institutionskritik, die die zumeist unsichtbaren ökonomischen, sozialen und ideologischen Rahmenbedingungen der Kunst durch physisch-räumliche Interventionen zu thematisieren suchten, knüpfen sich an die Ausstell- und damit ästhetische Erfahrbarkeit von neueren Formen der Ökonomiekritik andere Fragestellungen. Diese werden, wie der vorliegende Text darzulegen sucht, in dem Videofeature »I’m Short Your House« (2007) der Künstler Stephan Dillemuth und Nils Norman im Hinblick auf jene Problematiken erörtert, die in einem grundlegenden Sinn auch die (Selbst-)Positionierung der Kunst innerhalb der gegenwärtigen Finanzkrise berührt.

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Sabeth Buchmann

ist Kunsthistorikerin und -kritikerin und Professorin für Kunstgeschichte der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der bildenden Künste, Wien.

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INAESTHETIK – NR. 1

Um das Thema »Politiken der Kunst« gruppieren sich die Texte der Nummer 1 der Zeitschrift INAESTHETIK. Gibt es einen politischen Auftrag des Kunstwerks? Wie bestimmt sich der Ort des Kunstwerks im sozialen Feld? Wie verhalten sich Kunstproduktion, Kunstkritik, Kunstwissenschaften und Philosophie zueinander? Ist Kunst zwingend kritisch: institutions-, markt- und ideologiekritisch? Oder setzt das Kunstwerk noch der Kritik und ihrem guten Gewissen Grenzen, die aus ihm eine riskante und vielleicht notwendig affirmative Praxis machen? Liegt der Sinn in diesen immer wieder mit dem Kunstwerk verbundenen Kategorien des Widerstands und der Subversion nicht auch in einer Art Selbstberuhigung, die es dem Künstler und der Künstlerin erlaubt, am politischen Spiel ohne wirklichen Einsatz teilzunehmen, sodass das politische Bewusstsein die Funktion einer uneingestandenen Entpolitisierung übernimmt? Wie affirmativ muss ein Kunstwerk sein, um subversiv oder politisch sein zu können?

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